Alle Beiträge von Michael Manßhardt

So fresh, so clean.

So fresh, so clean.
Das revidierte Uhrwerk vor der Montage des Zifferblattes und der Zeiger. Foto: Michael Manßhardt

Eine Spindeltaschenuhr ist heute beinahe mehr ein Schmuckstück als eine Uhr. Florale Gravuren, vergoldete Platinen und gebläute Schrauben bilden ein einzigartiges Zusammenspiel. Im Folgenden berichte ich Ihnen von der Revision einer Spindeltaschenuhr im hochkarätig vergoldeten Zwiebelgehäuse.

Was für viele Sammler einen ausgesprochenen Blickfang darstellt, bedeutet für den Uhrmacher nicht selten eine akribische Meisterleistung. Gerade Spindeltaschenuhren sind hier ein gerne in mitleidenschaft gezogenes Objekt. Gebrochene Spindelwellen, zerstörte Schraubenköpfe und verbogene Federn – all das hatten wir bereits in unserem Atelier. Da freut man sich doch, wenn mal ein gepflegtes und beinahe jungfreuliches Sammlerstück die Werkstatt erreicht.

Details zur Uhr:

Die Spindeltaschenuhr aus dem 18. Jahrhundert ist mit D. Sitnerp signiert und besitzt alle Orignalteile.

Gehäuse: Außengehäuse – feuervergoldet und reich an floralen Gravuren, Scharnier bei der „9-Uhr-Position“, Knopf für die Öffnung des Außengehäuses gegenüberliegend; Innengehäuse – feuervergoldet, „Zwiebelform“, nachgearbeiteter Bügel, bombiertes Kristallglas.

Zifferblatt: Bombiertes weißes Emailzifferblatt mit schwarzen arabischen Stundenzahlen und Minuterie.

Uhrwerk: Vergoldetes Messingplatinenwerk mit erhabenen Gravuren, Schlüsselaufzug über Schnecke und Kette, Spindelhemmung, dreiarmiger Unruhreif, polierte und gebläute Stahlteile.

Wie bei allen Reparaturen und Restaurierungen, die im Hause Manßhardt & Kurzidim durchgeführt werden, stehen auch hier das Polieren der Zapfen, das Ersetzen und Nacharbeiten der Lager, sowie die Aufarbeitung der Messing- und Stahlteile auf der üblichen To-do-Liste.

In den nächsten Beiträgen möchte ich auf einzelne Punkte der Reparatur und Restaurierung genauer eingehen.

Herzlichst,

Ihr Uhrmachermeister Michael Manßhardt

Was schlägt denn hier so falsch? – Teil II: Eine Uhr wie ein Gemälde

Was schlägt denn hier so falsch? – Teil II: Eine Uhr wie ein Gemälde
Dieses Bild des holländischen Standuhrwerks entstand nach der Restaurierung und zeigt die Uhr während des Probelaufes. Foto: Michael Manßhardt

Die Restaurierung dieser Bodenstanduhr mit dem kunstvollen Zifferblatt liegt bereits etwas zurück. Spätestens die Bildergalerie sollte erklären, weshalb ich sie Ihnen dennoch nicht vorenthalten möchte.

Wie Ihnen vielleicht schon im vorigen Blogeintrag „Was schlägt denn hier so falsch?“ aufgefallen ist, besitzt das Uhrwerk neben dem ausführlich beschriebenen Holländischen Wechselschlag einige Komplikationen. Auch das Zifferblatt verrät dem Betrachter, dass man es hier mit der Arbeit eines Meisters zu tun hat: Gerrit Knip, Uhrmachermeister aus Amsterdam, baute in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erstklassige Standuhren, die nicht nur optisch ins Auge fallen. Die kunstvolle Verarbeitung des Uhrwerks und die gute Qualität der Materialien sprechen dafür, dass die Uhr auch noch einige weitere Jahrhunderte funktionieren wird.

Die Indikatoren: Neben dem Vollkalendarium (die Uhr macht Tag, Datum und Monat ablesbar), zeigt die Uhr auch die aktuelle Mondphase inkl. der mittleren Lunationsdauer von 29,5 Tagen an. Alle Wochentage und Monate werden zusätzlich mit einer bildlichen Darstellung gezeigt. Um die Weckzeit präzise einstellen zu können, wird die versilberte Scheibe im Zentrum verdreht.

Details des unteren Zifferblattbereiches: Unter der Amillarsphäre auf der linken Seite sind drei Engel zu sehen, die sich um ein aufgeschlagenes Buch tummeln. Um welches Buch es sich handelt? Die Bildqualität lässt Ihnen hier genügend Spielraum für eigene Interpretationen.
Einen Schritt weiter rechts sehen wir Chronos, den Gott der Zeit, Versinnbildlichung der Vergänglichkeit. Abgehalten von einem weiteren Engel, wird er daran gehindert, der Dame mit dem Spiegel die Vergänglichkeit ihrer Schönheit zu offenbaren.

Herzlichst,

Ihr Uhrmachermeister Michael Manßhardt

Was schlägt denn hier so falsch?

Was schlägt denn hier so falsch?
Das Uhrwerk mit Zifferblatt einer antiken Standuhr in unserer Werkstatt. Foto: Michael Manßhardt

Selbstverständlich schlägt bei uns gar nichts falsch. Der Kenner stellt schnell fest: Hierbei handelt es sich um den Holländischen Wechselschlag, der sowohl die halbe als auch die ganze Stunde mit voller Schlagzahl angibt. Was dabei genau passiert, schauen wir uns jetzt einmal näher an …

Der Holländische Wechselschlag kann mitunter leicht in die Irre führen: Die für uns unübliche Schlagvariation ist im deutschen Raum eher weniger verbreitet, lässt sich aber in wenigen Sätzen erklären.

Der Schlag erfolgt über eine hell und eine tief klingende Glocke. Zur Viertelstunde ertönt ein einfacher Schlag auf die tiefe Glocke. Zur halben Stunde – und anstelle eines einfachen Schlages – folgt die Stundenschlagzahl der nächsten vollen Stunde auf die heller klingende Glocke. Zur Dreiviertelstunde wiederum ein einfacher Schlag auf die helle Glocke und schließlich die volle Stunde auf die tiefe Glocke.

In folgendem Video erkläre ich Ihnen die Funktion anhand des (noch unrestaurierten) Uhrwerks einer Bodenstanduhr aus dem 18. Jahrhundert.

Ich hoffe, Ihnen die Funktionsweise des Holländischen Wechselschlages anhand dieses Beitrages etwas näher gebracht zu haben.

Herzlichst,

Ihr Uhrmachermeister Michael Manßhardt